Wir waren zusammen in Margini und drei Wochen später im Konzert von PIL. Die ganze Zeit über sprachen wir über Filme und Musik, über unser fortgeschrittenes Alter, über unsere gemeinsame Zeit im GBH und darüber, wie wir das Ganze in Würde zu Ende bringen könnten. Damals war bereits klar, dass wir uns bald mal im Übungsraum treffen würden und ein paar von Lupes Stücken, die nicht zu seiner anderen Band Familie Hesselbach passten, spielen würden. Das größte Problem bestand darin, dass keiner von uns Schlagzeuger war, wir aber wie die drei Jungs in Margini ein lautes, hartes Trio mit viel selbst gemachtem Krach und düsterem energiegeladenen Sound haben wollten. Einen vierten Mann zu suchen kam also nicht in Frage. Was tun?
Foxx, der eigentlich wie Latino Sänger und Gitarrist war, meinte schließlich, dann würde er eben die Drums übernehmen. Im GBH hätten wir schließlich auch ständig Instrumente gewechselt und ganz früher hatte er auch schon mal irgendwo als Schlagzeuger ausgeholfen. Somit fiel er für Herz Rhythmus Maschine als Sänger aus.
Latino, der seinen Namen einer Kindheit und Jugend in São Paulo verdankt, spielte ursprünglich Bossa Nova und griechisches Rembetiko-Zeug mit einem anderen Kumpel aus dem GBH, hatte dort aber auch viele Nächte mit harten und lauten Gitarrensessions mitgestaltet. Er verstand es, seiner Gibson zickigen Postpunk zu entlocken. Die deutschen Texte von Lupe zu singen, lehnte er ab mit der Begründung, das könne er sich nie im Leben merken.
Der Job des Sängers ging also an Lupe. Er war schon immer ein brauchbarer Bassist gewesen, hatte aber noch nie Lead gesungen. Somit waren wir eine Band, die altersmäßig zur ersten Punk- und Wave-Generation gehörte, schon vieles in der Musik erlebt hatte, die Energie dieser schrägen und kaputten 80er Jahre liebte und in der jeder etwas machte, das er noch nie in seinem Leben gemacht hatte.
Darauf tranken wir natürlich das erste Bier und begannen mit der Arbeit.
Es funktionierte erstaunlich gut ...